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Markante Drehung – Bjarke Ingels’ Hybrid in Norwegen

Mit dem einzigartigen Gebäude „The Twist“ hat die Bjarke Ingels Group (BIG) erstmals ein spektakuläres Projekt in Norwegen realisiert. Das Bauwerk, das ein Hybrid aus Brücke, Museum und Skulptur darstellt, überspannt den gewundenen Fluss Randselva in Kistefos, Nordeuropas größtem Skulpturenpark. Während die Besucher durch das mittig gedrehte Gebäude laufen, erleben sie zeitgenössische, internationale Kunst. Zur Eröffnung wird die Ausstellung „Hodgkin and Creed“ gezeigt, die wichtige Werke von Howard Hodgkin (1932-2017) und Martin Creed (geb. 1968) kombiniert.

Kistefos besteht aus einem Museum und einem Skulpturenpark. Der Kistefos-Skulpturenpark wurde 1996 von dem norwegischen Geschäftsmann und Kunstsammler Christen Sveaas in Jevnaker ins Leben gerufen, einer Gemeinde 80 Kilometer nördlich von Oslo. Er umfasst auf dem ehemaligen Firmen-Gelände des Mäzens Werke führender internationaler Künstler. Die „Kunstbrücke“ von BIG vervollständigt die kulturelle Route des Parks und ermöglicht es den Besuchern, die Kunstwerke im Freien als Teil eines Rundgangs zu erkunden.

„The Twist“ ist Museum, Brücke und bewohnbare Skulptur gleichermaßen. Bjarke Ingels erklärt, das Bauwerke rekonfiguriere als Brücke den Skulpturenpark und verwandele die Reise durch den Park in eine Endlosschleife. Als Museum verbinde es zwei unterschiedliche Räume: eine vertikale Galerie und eine horizontale Galerie mit Panoramablick über den Fluss. Durch den „Twist“ zwischen diesen beiden Galerien entsteht ein dritter Raum. Die resultierende Form wird zu einer weiteren Skulptur im Skulpturenpark.

Um die Geometrie des Museums zu realisieren, wurden gerade Aluminiumtafeln wie ein Stapel Bücher angeordnet, was auch im Innern zum Tragen kommt.

„Wo immer man hinschaut, sieht man Bögen und Kurven, Fibonacci-Spiralen und Sattelformen, aber wenn man genauer hinsieht, merkt man, dass alles aus geraden Linien besteht – geraden Aluminiumblechen, geraden Holzbrettern“,

so Ingels.

„Eine ausdrucksstarke organische Skulptur, die aus rationalen, sich wiederholenden Elementen besteht.“

BIG-Partner David Zahle ergänzt:

„Aus einer Reihe von geradlinigen Elementen wurde das Museum auf industrielle Weise sowohl als Teil der Infrastruktur als auch als Gebäude konstruiert, das seine natürliche Umgebung widerspiegelt. Wenn Sie sich nähern, werden Sie bemerken, wie das Museum die Bäume, die Hügel und das Wasser unter sich widerspiegelt, ständig schimmert und sein Aussehen im Dialog mit der Natur ändert.“

Beide Seiten des Gebäudes dienen als Haupteingang: Im Süden betreten die Besucher einen hohen Raum mit klaren Sichtlinien durch das gesamte Gebäude bis zum Nordeingang. Wer von dort kommt, gelangt in einen Panoramabereich mit Blick auf die umliegende Landschaft. Künstliches Licht, aber vor allem die verschiedenen Arten von Tageslicht, die durch die geschwungenen Glasfenster einfallen, beleuchten drei markante Galerien: eine breite, natürlich beleuchtete Galerie mit Panoramablick auf die Nordseite; eine hohe, dunkle Galerie mit künstlichem Licht im Süden sowie einen skulpturalen Raum mit einem verdrehten Streifen als Oberlicht.

Bjarke Ingels wünscht sich vor allem, mit diesem „wunderschönen neuen Raum“ und erstklassigen temporären Ausstellungen Kistefors zu einem kulturellen Ziel zu machen, „das das reiche industrielle Erbe des Ortes ergänzt.“

Auch das National Maritime Museum in London ist ein kulturelles Ziel für Besucher, in dem Architektur und Wasser vor allem thematisch aufeinandertreffen.

Fotos: Laurian Ghinitoiu © Bjarke Ingels Group / Kistefos


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