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Waterscraper

Im Laufe seiner gesamten Geschichte hat der Mensch wegen seines Bedürfnisses nach Zivilisation ressourcenfressende Gebäude geschaffen. Der Wolkenkratzer ist der Inbegriff dieses unersättlichen Verbrauchs, die verdichtete Ansammlung von Aktivitäten wie Arbeit, Spiel, Erholung etc. ist der unheilvolle Vorläufer unserer ökologisch trostlosen Zukunft.

Als Antwort auf die modernen Wolkenkratzer und deren Dilemma haben die bedeutendsten Architekten der Welt viele Varianten des Wolkenkratzers in Form der antithetischen Subscrapers, Groundscrapers und sogar Depthscrapers geschaffen. Allerdings kämpfen sie immer noch um Nullwerte in Bezug auf den Ressourceneinsatz. Es gibt Greenscrapers, die - obwohl umweltverträglich - an städtische Gefüge und Produktionsverbünde gebunden sind, die die Umwelt immer noch negativ beeinflussen.

Der hO2+ scraper strebt als eigenständiger Botschafter im Meer nach Befreiung von städtischen Gefügen und Funktionen. Der hO2+ scraper ist eine autonome schwimmende Einheit aus bewohnbarem, funktionalem und selbstversorgendem Lebensraum, der in kollektiver Art und Weise wie eine schwimmende Stadt funktionieren wird. Dieser Lebensraum versorgt sich selbst, da er seine eigene Energie mit Wellen, Wind, Strömung, Sonne, Biomasse etc. erzeugt und seine eigenen Nahrungsmittel durch Ackerbau, Aquakultur und Pflanzen in Hydrokultur etc. produziert. Er führt seinen eigenen kleinen Wald auf seinem Rücken mit sich und bietet Orte zum Leben und Arbeiten in seinen Tiefen. Seine biolumineszenten Tentakel bieten der Meeresfauna einen Raum zum Zusammenleben, während durch ihre kinetische Bewegung Energie gewonnen wird. Solche Nachhaltigkeitsstrategien haben zum Ziel, eine Oase ohne negative Auswirkungen auf die Umwelt zu bilden und zu erhalten. Zudem verbessert sie die Umwelt sogar - daher das Pluszeichen. Als angemessene poetische Antithese zu einem Wolkenkratzer, der zum Himmel emporragt, geht der hO2+ scraper hinunter in die Tiefen der See.

Die Hauptbestandteile des Programms für den hO2+ scraper liegen in der Ressourcenbildung (z. B. Energie, Nahrung, Luft), in Wohnen, Arbeit, Spiel, Abfallwirtschaft und Instandhaltung. Das Programm wird gleichmäßig verteilt, in Übereinstimmung mit der Nähe jedweder speziell benötigten externen Ressource. So werden die Windgeneratoren auf die Dachgarteninsel gestellt, der Viehbestand befindet sich ebenfalls dort, die Wohnbereiche liegen knapp unter der Wasserlinie, wo das natürliche Licht am besten ist usw.

Das Gebäude selbst wird durch ein System aus Gewichten und Ausgleichstanks aufrecht gehalten. Die Tentakel dienen ebenfalls als Ausgleichselemente, da sie während der Energiegewinnung ständig mit dem Seegang in Bewegung sind. Die Auftriebs- und Ballastkontrollen sitzen ganz unten zur Erzeugung der benötigten Gegenkraft, um das Gebäude aufrecht zu halten. Der hO2+ scraper ist die logische Konsequenz aus den klimatischen Veränderungen, in deren Folge der Wasserspiegel steigt und Land knapp wird. Es ist nur ein natürlicher Fortschritt, dass der Mensch eines Tages die Meere bevölkern wird - in einer neuen Metapolis, gebildet aus einer Ansammlung von hO2+ scrapers, als eine Stadt, die nicht Natur verbraucht, sondern Natur schafft und hervorbringt. Am Ende werden es hO2+ Städte sein.

Die Visionäre

Der Architekt Sarly Adre Sakum ist Gründer und Teilhaber des Büros BDA Building Design Art. Der Name bezeichnet gleichzeitig das Umfeld, in dem die Projekte angesiedelt sind. In der Auseinandersetzung mit Architektur, Design und Kunst lotet das multidisziplinäre Team das kreative Spannungsfeld zwischen Einfachheit und Komplexität, zwischen der Leichtigkeit der Idee und der Ernsthaftigkeit der Umsetzung, zwischen Regelverletzung und sanfter Veränderung aus. Grundlage ist der Dialog zwischen Mensch und gebauter Umwelt. Sarly Adre Sakum selbst sagt: "Ohne Emotion, Leidenschaft und Menschlichkeit ist Architektur nicht mehr als eine seelenlose Struktur".

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