Schnittstelle _ architektur _ wasser

Turbine City

Norwegen bietet beste Voraussetzungen für die Nutzung von Windkraft. Seine Küstenlinie ist die längste und windigste in Europa - und was Turbinenkraft angeht: weitgehend ungesättigt.

 

Die Ölindustrie hat dem Land ein enormes Fachwissen bezüglich der Gründungen auf dem offenen Meer eingebracht und zugleich ein immenses Investitionskapital. Aktuell produziert Norwegen fast seine gesamte Energie aus Wasserkraft. Doch bei Sturm müssen die Staudämme geschlossen werden. Die Kombination mit Windkraft bietet sich daher an. Viele Norweger sind jedoch skeptisch gegenüber dieser Form der Energiegewinnung. Es gilt also Aufklärungsarbeit zu leisten.

"Turbine City", der Zusammenschluss mehrerer bewohnbarer Turbinen innerhalb eines Windparks, liegt mitten im offenen Meer und integriert ein Hotel, ein Museum und Wellnesseinrichtungen. Eine dieser neuen Riesenturbinen kann 8 MW erzeugen - nur 1 MW ist notwendig, um die gesamte Anlage mit Energie zu versorgen. Der Zweck: Die Vorurteile gegenüber Windkraftanlagen auf dem Meer abzubauen, indem sie erlebbar werden. "Turbine City" ist für Touristen, Segler, Hochsee-Ölarbeiter und Kreuzfahrtschiffe attraktiv gestaltet, die Windkraft kann als Spektakel hautnah erlebt werden. Norwegens Küste könnte diesen ökonomischen Impuls nutzen, um sich selbst neu zu erfinden und zu definieren. Die Küstenstädte blieben so ursprünglich wie sie sind - nur am Horizont wäre die Turbinenstadt erkennbar.

 

 

Ein möglicher Standort wäre die norwegische Stadt und Kommune Stavanger. Sie erstreckt sich sowohl auf dem Festland als auch über mehrere Inseln. 43,23 km², also 60,55 Prozent der Gesamtfläche sind bebaut. Keine norwegische Kommune hat solch einen hohen Anteil an bebautem Stadtareal wie Stavanger. Der Rest verteilt sich auf landwirtschaftliche Fläche und Grünflächen. Nach den Ölfunden in den 1960er Jahren entwickelte sich Stavanger zu einer modernen Großstadt. Heute leben im Großraum Stavanger ca. 200.000 Menschen. "Turbine City" vor der Küste Stavangers könnte ein neues architektonisches Wahrzeichen für die Stadt werden - vergleichbar mit dem Eiffelturm in Paris, der bei seiner Entstehung ebenso visionär war.

Die Visionäre

Das Architekturbüro ONOFFICE mit Sitz in Porto (Portugal) bestand von 2008 bis 2010. Die vier Partner leiteten das Büro gemeinschaftlich: Joao Vieira Costa (Portugal), Leon Rost (Japan/USA), Ricardo Guedes (Portugal) und Francesco Moncada (Italien).

ONOFFICE war nicht auf bestimmte Bauprojekte festgelegt. Vielmehr verstand man Architektur als eine Achse, die von Möbeln und Industriedesign bis hin zu städtischen Maßnahmen und globalen Taktiken reicht. Basis der Arbeit waren verlässliche Recherche, gründliche Durchführung, offene Kommunikation und die interdisziplinäre, länderübergreifende Zusammenarbeit mit Fachleuten. An der Schnittstelle von ökonomischem, sozialem und Umwelt-Wandel betrachtete man bei ONOFFICE Architektur als moralische und professionelle Verpflichtung.

Zurück zur Übersicht
TOP