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Regent's Canal: 
Die Wiederentdeckung eines Wasserwegs

Das Wachstum Londons scheint keine Grenzen zu kennen. Doch muss es immer höher, luxuriöser, teuer sein?
Ein fast vergessener Wasserweg in bester Lage bietet Potenzial für neue Ideen und eine nachhaltigere Stadtentwicklung.

Der Regent’s Canal spielte für den Handel Londons einst eine große Rolle. Der 14 Kilometer lange Kanal verläuft von Ost nach West durch den Norden von Londons Zentrum. Am Limehouse Basin im Lee Valey zweigt er von der Themse ab, führt durch den sich rasant entwickelnden Osten Londons und durch das neu gestaltete Gebiet rund um Kings Cross Station. Weiter geht es durch Camden Town und nördlich entlang des Regent’s Park bis er in Little Venice in einen weiteren Kanal mündet. 1820 fertiggestellt, wurde der Kanal bis in die 1960er Jahre zum Transport von zum Beispiel Kohle, Holz und Lebensmitteln genutzt.

Für Jahrzehnte versank der zwischen Gebäuden versteckte Kanal in einen Dornröschenschlaf. Fußgänger und vor allem Radler entdeckten den flankierenden Treidelpfad als willkommene Alternative zu überfüllten und lauten Straße. Kleine Cafés und Galerien folgten. Heute sind ist der Kanal fester Bestandteil der Stadtstruktur. Auf Brachen entlang der Strecke entstand und entsteht moderne Architektur. Leerstehende Industriebauten werden umgenutzt. Und auch für den Kanal selbst gibt es unterschiedliche Nutzungsideen, von denen wir Ihnen zwei vorstellen.


Wohnen auf dem Wasser

Bereits seit Langem sind – ähnlich wie in Amsterdams Grachten – Hausboote an dem Ufer des Kanals vertäut. Baca Architects sehen in Londons Wasserwegen ein hohes Potenzial für Nachverdichtung in einem bereits sehr angespannten Wohnungsmarkt. Sie entwarfen vorgefertigte „Floating Houses“, die nicht nur entlang des Regent’s Canal für bezahlbaren Wohnraum im Zentrum von London sorgen sollen.


Lido Lane

Alex Smith und David Lomax von Y/N Studio haben bei der Umnutzung der Regent’s Canal in eine andere Richtung gedacht. Sie wollen eine Bahn zum Schwimmen in den Kanal integrieren. So können die Anwohner zur Arbeit schwimmen oder mit dem Kajak zum Büro paddeln. Bei der Verkehrslage in London klingt das nach einer guten Alternative. Die fast 14 Kilometer lange ungenutzte Wasserstraße soll gereinigt und im Winter sogar zum Schlittschuhfahren genutzt werden. Eine schwimmende Plattform bietet Platz für Infrastruktur wie Duschen und kann nachts für Events genutzt werden.

Beide vorgestellten Projekte sind gelungene Beispiele, wie in einer bereits jetzt dichten Stadtstruktur nutzbarer Wohn- und Freiraum geschaffen werden könnte, der die Lebensqualität der Bewohner verbessert. Natürlich sind die gezeigten Projekte nicht die einzigen Entwürfe für den Regent’s Canal. Welche sich am Ende durchsetzen, wird die Zeit zeigen.

 

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