Die Klimafliese – Wie aus Gehwegen neue Wege im Regenwassermanagement werden

Die Klimafliese – Wie aus Gehwegen neue Wege im Regenwassermanagement werden

Das dänische Architekturbüro Tredje Natur entwickelt Konzepte für einen modernen Umgang mit Regenwasser. Zusammen mit ACO entstand das Projekt „Klimafliese“, als Baustein zur nachhaltigen und sensiblen Integration der Wassermassen in den Stadtraum. Wir sprachen mit Flemming Rafn Thomsen, einem der Gründungspartner des Büros.

»Ab Sommer 2017 wird die "Klimafliese" in Kopenhagen getestet. Sie ist eine Alternative zur traditionellen Kanalisation, da es damit möglich ist, das bestehende Kanalisationsnetz von ca. 30% des Regenwassers zu entlasten.«
– Hans Olsen, ACO Nordic

ACO: Seit den Überschwemmungen vor sechs Jahren hat die Frage, wie man sich den klimatischen Bedingungen anpassen kann, in Kopenhagen und in ganz Dänemark höchste Priorität auf politischer Ebene. Innovative Lösungen in allen Maßstäben sind gefragt. Die „Klimafliese“ ist eine solche Lösung. Wie funktioniert sie?

Flemming Rafn Thomsen: Die Idee dahinter ist wirklich ganz einfach. Jede Stadt verfügt über einen enormen Umfang an asphaltierten Flächen, die in Bezug auf Regenwasser oder auf die soziale Bedeutung städtischer Räume keine aktive Rolle spielen. Nehmen wir die Gehwege einer beliebigen Stadt. Langweilige und graue Flächen, die natürlich pragmatisch und langlebig sind, jedoch eigentlich nur die Funktion haben, Menschen von A nach B zu bringen. Wir haben uns dann gefragt, inwieweit Bodenbefestigungen dazu beitragen können, fließende Wassermengen zu kontrollieren und zu verlangsamen bzw. inwieweit wir die ästhetische wie auch die soziale Funktion dieser Straßenbeläge verbessern können. Wir schlagen hier eine sogenannte „PLUG & PLAY“-Lösung vor, die das Regenwasser von den Dächern und Asphaltböden durch Auffangen in einer im Erdreich befindlichen Lösung in Form eines nachhaltigen urbanen Drainagesystems (Plug) sammelt und zugleich durch Einbringen neuer ästhetischer und sozialer, überirdisch angebrachter Bestandteile, wie z. B. von Bänken, spielerischen Elementen oder gar ausgeklügelten Technologien (Play), das soziale Potenzial in den Städten erhöht. Wir haben viele Mischformideen, mit denen wir uns momentan näher beschäftigen.

ACO: Welches Potenzial sehen Sie?

Flemming Rafn Thomsen: Hier in Kopenhagen haben wir eine Bürgersteigfläche von über 700 km; die Stadt New York hingegen verfügt über mehr als 20.000 km, das wäre mehr als die Hälfte der Strecke einmal um die ganze Welt! Wenn sich die Städte weiter verdichten und ausdehnen, dann müssen wir unseren Blick auf die Einzelbestandteile der Stadt lenken und ermöglichen, dass diese auf weniger Raum mehr Funktionen erfüllen. Zudem finde ich, dass wir, wenn wir Gefahrensituationen wie etwa Überschwemmungen ausgesetzt sind, häufig vergessen, solche Situationen vor einem humanistischen und poetischen Hintergrund zu betrachten. Wasser wird zunehmend als Problem wahrgenommen, dabei sollten wir aber nicht vergessen, dass es sich hier gleichzeitig um ein überaus erstaunliches Element handelt, nämlich um eine der wesentlichen Grundlagen des Lebens selber.

ACO: Welche Produkte von ACO verwenden Sie bei der „Klimafliese“ und warum?

Flemming Rafn Thomsen: Eines der wichtigsten Basisprodukte ist das Rigolensystem „Stormbrixx“, eine innovative Lösung in Form eines nachhaltigen urbanen Drainagesystems, das ein Auffangen und Versickern von Niederschlagswasser ermöglicht. Das System ist absolut widerstandsfähig, und sein modulares Design macht es für den Transport unglaublich zukunftsfähig. Wir müssten es wahrscheinlich noch etwas weiter entwickeln, doch für den Anfang ist das bereits eine sehr viel versprechende Komponente.

ACO: Welchen Beitrag kann die „Klimafliese“ in einem ganzheitlichen Regenwassermanagement spielen?

Flemming Rafn Thomsen: Während eines Wolkenbruchs kann die Kanalisation die extremen Regenmengen gar nicht aufnehmen. Eine geeignete Lösung ist ein zusammenhängendes Netzwerk aus Wasserstraßen, begrünten Wassergräben und offenen Kanälen bzw. unterirdischen Rohrleitungen wie der „Klimafliese“, die das Regenwasser außerhalb der Kanalisation sammeln und dorthin leiten, wo es keine Schäden verursacht. So würde das Wasser in Richtung der Häfen, Seen und Grünflächen gelangen.

Das Gute an der Optimierung des Straßenprofils ist, dass es auch Raum für natürliche Lösungen bieten kann, die durch Aufbringen von aktiv genutztem Mutterboden, Einrichten von Luftfiltern sowie durch ein Kombinieren bestimmter Pflanzen sowohl die Luft als auch das Regenwasser vom hohen Gehalt an gefährlichen Partikeln reinigen können. Insgesamt bin ich der Ansicht, dass diese Optimierungsmaßnahmen wirklich ein ideales Aushängeschild für die Art und Weise sind, wie die Klimaveränderungen zu einem Antriebsfaktor für eine effektive Sanierung des Stadtgefüges werden und wie sich durch Nutzung der Prinzipien der Natur ein Mehrwert erzielen lässt.

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