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Eine schwimmende Schule für Nigeria

Die „Makoko Floating School“ ist eine schwimmenden Schule für Makoko – den bekanntesten Slum in Nigeria. Die Wassergemeinde liegt in der Lagune von Nigerias größter Stadt Lagos. Im Rahmen des „Lagos water community Project“ startete der Bau des Pilotprojekts „Schule“ im Oktober 2012. Anfang März 2013 wurde es fertig gestellt und kostete gerade mal 6.250 $. Langfristig haben Architekt Kunlé Adeyemi und sein Team von NLÉ - Shaping the Architecture of Developing Cities, Großes vor ...

Die Vorhaben gliedern sich in drei Phasen. Phase eins ist mit dem Bau der Schule abgeschlossen, Phase zwei sieht vor, nach dem gleichen Prinzip einzelne, schwimmende Häuser zu errichten und für die dritte Phase ist die Zusammenführung der Häuser zu einer „schwimmenden Gemeinschaft“ angedacht.

Doch wie kam es zu diesem Projekt? Makoko ist ein weitestgehend autarker und selbstverwalteter Slum, dessen Gebäude auf Pfahlbauten im Wasser stehen. Früher war es mal ein Fischerdorf, doch aufgrund der ansteigenden Bevölkerung wuchsen die Bauten nach und nach illegal in die Lagune. Als Folge des Klimawandels spülen die immer stärker werdenden tropischen Regenfälle mittlerweile jährlich tausende der Pfahlbauten ins Meer. Daneben ist Makoko der „Schandfleck“ von Lagos, immer wieder gibt es Beschlüsse, den Slum aufzulösen.

Im vergangenen Sommer wurde ein Teil bereits zerstört. Bei diesem Problem setzt das „Lagos water community Project“ an. Die schwimmenden Bauten sollen zu einer Gemeinschaft heranwachsen und den Bewohnern ein neues, sicheres Zuhause geben. Das Projekt wird u.a. von dem United Nations Development Programm (UNDP) und der Heinrich Böll Stiftung unterstützt.

Für die schwimmenden Gebäude wurden nur regional vorhandene Materialien und Ressourcen verwendet. Das wichtigste Material ist Holz, das zum größten Teil aus alter Bausubstanz gewonnen wurde. Die Form der Schule erinnert durch die Dreiecks-Form an ein Zelt. Allerdings gibt es in diesem „Zelt“ drei Ebenen, die insgesamt 220 Quadratmeter groß sind. Die unterste Ebene bildet einen grünen Freiraum, der als Spielplatz von den Schülern genutzt werden soll. Eine Ebene darüber liegt das Hauptklassenzimmer, die dritte Ebene ist als „Open-Air“-Zimmer gedacht.

Schutz vor Wind und Wetter bieten eine Kombination aus verstellbaren Lamellen sowie Solarpaneelen, die als Dach funktionieren. Alte, blaue Kunststoff-Fässer bringen die Schule zum schwimmen. Die Randfässer werden dabei gleichzeitig zur Regenwassernutzung verwendet. All diese simplen Lösungen sind Sinnbild für den Nachhaltigkeitsanspruch des Projektes.

Der Architekt Kunlé Adeyemi, geboren in Nigeria, studierte zuerst in Lagos, später dann in Princeton Architektur und arbeitete, bevor er NLÉ gründete, in Rem Koolhas´ Büro OMA. Er lebt in Makoko und Amsterdam. Die Zukunft Makokos ist ungewiss, allerdings hat Kunlé Adeyemi mit seinem Büro NLÉ durch die Entwicklung einer schwimmenden Gemeinschaft einen Anfang gemacht.


 

 

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