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Amsterdam Ijburg

Wohnen mit dem Wasser – für viele Architekten meist nur Vision. Nicht so in den Niederlanden. Dort arbeiten Stadtentwickler seit Jahren an dem neuen Amsterdamer Stadtteil Ijburg. Auf künstlich aufgespülten Sandinseln entsteht seit 2005 das neue Wohngebiet, das bis 2015 aus insgesamt 18.000 Wohnungen mit Wohnraum für 45.000 Menschen anwachsen soll.

Es ist die erste Landgewinnung in den Niederlanden seit der Schaffung des Nordostpolders im Ijsselmeer 1927. Seitdem hat sich viel getan, so haben sich die meisten holländischen Wasserbauer von den Poldern verabschiedet.

"Wir bauen keine Deiche mehr und pumpen dann das Wasser ab“

erklärt Dirk-Jan Franzissen vom Projektbüro IJburg. Die Inseln werden mit Sand aufgeschüttet.

„Wir nennen das ´Pfannkuchensystem´. In mehreren Lagen wird der Sand eingespritzt und dann zwei Jahre lang liegen gelassen, damit er sich verdichten kann. Danach kann gebaut werden“

so Franzissen.

Einen Schritt weiter geht in diesem neuen, außergewöhnlichen Stadtteil die Architektin und Stadtplanerin Marlis Rohmer. Sie plante mit ihrem Architekturbüro die Siedlungen Waterbuurt – und zwar direkt auf dem Wasser.

In der Umgebung befinden sich 158 Wohnungen am Wasser, 55 davon sind schwimmende Exemplare. Die Gebäude sind eine Mischung aus Boot und Haus. Ohne festen Untergrund funktioniert die Nachbarschaft vor allem über Stege und Anleger, über die die Wohngebäude erschlossen werden. Eine Schleuse sorgt dafür, dass das Binnenmeer, auf dem die Wohnungen treiben, vom IJmeer abgetrennt ist und somit sauber und geschützt bleibt.

Marlis Rohmer ist dem niederländischen Design treu geblieben und hat klare Gestaltrichtlinien beachtet. Waterbuurt hat einen ausgesprochen städtischen Charakter und ist das Ergebnis eines sorgfältigen, städtebaulichen und architektonischen Entwurfs. Eine Wohneinheit besteht aus drei Etagen, bei der das Erd- bzw. Wassergeschoss zum Teil unterhalb der Wasseroberfläche liegt.

Um den schwimmenden Häusern eine stabile Umgebung zu geben, wurden die „Quartiers-Stege“, an denen die Häuser festgemacht sind, mit einem „Vor-Kopf-Gebäude“ gesichert. Dieses Gebäude hat noch einen weiteren Vorteil, denn es bietet Stellplätze für die Autos der Bewohner.

Der Bau eines Wasserhauses dauert 18 Wochen im Trockendock. Danach werden die Wohnungen – aus Sicherheitsgründen teilweise miteinander verbunden – quer über das IJsselmeer geschleppt und an ihren Standort gebracht.

Architektur und Fotos: Architekturbüro Marlis Rohmer


 

 

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