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Aussichtplattformen in Westnorwegen: Kleine Bauwerke – große Wirkung

Norwegen – das sind tief eingeschnittene Fjorde, wilde Küsten und massenhaft unberührte Natur. Früher wurde hier gejagt und gefischt. Heute lockt die eindrucksvolle Landschaft jährlich Millionen Besucher. 3RW Arkitekter stellen die Frage, wie sich dadurch der Wert der Landschaft verändert – und beantwortet sie u.a. mit zwei gelungenen Aussichtsplattformen.

Als der Fischfang immer industrieller wurde, ging es dem kleinen Fischerdorf Askvågen an der Westküste Norwegens so, wie vielen umliegenden Orten: Mit dem Fischfang im kleinen Stil schwand die Perspektive und mit der Perspektive gingen zumindest die jungen Bewohner und suchten ihr Glück in den Städten. Die Infrastruktur fiel brach.

3RW Arkitekter nutzen den alten Pier aus Natursteinen, der ursprünglich zum Schutz des natürlichen Hafenbecken des Ortes gebaut worden war, um das Naturerlebnis zu inszenieren. Ganz am Ende des Piers wurde ein weiterer Felsbrocken hinzugefügt und mit einem gläsernen Geländer versehen. Erreichbar ist die kleine Aussichtsplattform über eine Cortainstahl-Treppe, die in ihrer Farbigkeit und Ausführung einem gefalteten roten Teppich gleicht. Der Besucher kommt dem Atlantik noch ein Stückchen näher, schwebt über dem Wasser und hat einen traumhaften Blick auf unzählige kleine Inselchen.

Auch für die Aussichtplattform am Geirangerfjord nutzen die Architekten aus Bergen vorhandene Infrastruktur. Diesmal war es die Straße, die in 11 Serpentinen vom Fjord bis zur Bergspitze führt. Der Fjord mit seinen steilen Wänden zählt zum UNSECO Weltkulturerbe. Am Ørnesvingen, dem spektakulärsten Aussichtspunkt, fällt die Bergwand 600 Meter tief ab. Genau hier kragt die Aussichtsplattform über dem Abgrund. Der Besucher erhält einen atemberaubenden Blick über Wasser und Berge. Ein kleiner Bach, der an dieser Stelle fließt, wurde in die Konstruktion integriert. Er läuft über eine gefärbte Glasfläche und wird zum Wasserfall. Die Aussichtplattform ist ein Besuchermagnet – und ein Beweis, wie Vorhandenes durch neue Nutzungen transformiert und damit dem Wandel gerecht wird.


 

 

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